Bad Moms

Mila Kunis: Ich habe Angst davor, dass meine Kids A-Löcher werden

Im Komödienhit BAD MOMS zeigt sich die großartige Mila Kunis mal wieder von einer neuen Seite und bricht nach Herzenslust mit allen Konventionen. Im Interview mit Ricky Camilleri spricht sie über die Lust am Regelbruch und ihre eigenen Nöte als Filmstar-Mom.

Du kannst dir das Interview hier in Englisch ansehen oder darunter in Deutsch nachlesen.

 

Mila, für mich ist BAD MOMS die beste Komödie des Jahres. Aber am Ende hätte ich trotzdem fast geweint.

Mila: Wenn dieser Film nicht so großartig und lustig wäre, säße ich ganz bestimmt nicht hier. Wenn ich Promotion mache, muss ich meine Tochter allein lassen, und das tue ich nur, wenn ich voll hinter dem Film stehe. Ein Baby ist eine Superentschuldigung für viele Dinge im Leben. Du magst nicht zu diesem Dinner gehen? Oh sorry, ich muss leider auf mein Baby aufpassen ...

Das funktioniert noch besser als mit einem Hund ...

Mila: Es funktioniert IMMER. Du brauchst nur zu sagen: Der Babysitter hat abgesagt, und schon hat jeder vollstes Verständnis.

Du warst gerade erst Mutter geworden, als du diese Rolle annahmst?

Mila: So ungefähr. Es war die einzige Rolle, die ich zwischen meinem ersten und meinem zweiten Kind gespielt habe. Ich habe mir da kein festes Datum gesetzt. Mir war immer klar, ich arbeite wieder, wenn das richtige Projekt kommt.

Immerhin hast du ja deinen Part in „Family Guy“.

Mila: Stimmt. Außerdem habe ich eine Firma, die für den Sender ABC produziert. Ich gehe also praktisch jeden Tag zur Arbeit. Aber einen Film zu drehen, ist was ganz Anderes. Da bist du monatelang unterwegs und hast sechs 17-Stunden-Tage pro Woche. Da verpasst du ganze Phasen der Entwicklung deines Kindes. Das Drehbuch zu BAD MOMS bekam ich von einer Freundin zu lesen, als Wyatt drei Monate alt war. Ich las es eher interessehalber. Das Projekt hatte damals noch einen komplett anderen Cast. Ich dachte: Toller Film, freue mich schon, ihn irgendwann mal zu sehen. Und das war’s. Acht Monate später tauchte das Projekt wieder auf: mit neuen Leuten, anderen Drehorten, und sie boten mir die Rolle an. Ich war sofort Feuer und Flamme.

Solche Angebote bekommt man als Schauspielerin und Mutter wahrscheinlich nicht oft.

Mila: Niemals! Es ist so schade, wie wenig Filme mit weiblichen Hauptfiguren gemacht werden! Egal welches Genre. Wenn eine Komödie mit Frauen in den Hauptrollen gut funktioniert, staunen die Leute in der Filmindustrie: Hey, Frauen sind ja gar nicht so schlecht. Und wenn ein Film nicht gut läuft, sagen sie: Seht Ihr, war ja klar. Bei Männern ist das Geschlecht ganz egal. Aber der Kampf geht weiter.

Der neue "Ghostbusters" war in dieser Hinsicht auch ein Riesenthema.

Mila: Ich bin ein Fan des originalen "Ghostbusters". Und ich wollte unbedingt, dass die neue komplett weibliche Version ein Erfolg wird. Und sei es nur, damit die ganzen Frauenhasser eines besseren belehrt werden.

Gestern hab ich mit Annie Mumolo gesprochen, einer der Koautorinnen von "Brautalarm". Ich sagte ihr, BAD MOMS wird der "Brautalarm" des Jahres, aber dann fiel mir ein, dass "Brautalarm" schon fünf Jahre her ist und es seitdem keinen vergleichbaren Film gab.

[zum Interview mit Annie Mumolo und Kathryn Hahn einfach hier klicken]

Mila: Das war ein Ensemblefilm, und die werden kaum noch gedreht. Ich bin der Produktionsfirma STX wahnsinnig dankbar, dass sie diesen Film gemacht und uns dafür ein vernünftiges Budget zur Verfügung gestellt hat. Die Leute in der Industrie halten solche Filme für große Ausnahmen, als seien es Einhörner. Sind sie aber nicht. Frauen sind lustig!

Im Grunde ist doch jeder erfolgreiche Film eine Ausnahme, egal welchen Genres. 

Mila: Sag ich doch. Weiblich oder männlich – das ist mit ganz anderer Bedeutung aufgeladen.

Machst du dir bei deiner Arbeit als Produzentin viele Gedanken über dieses Thema?

Mila: Ich werde mehr und mehr dafür sensibilisiert. Zum Beispiel unterstütze ich junge Autorinnen. Ich selbst schreibe und inszeniere nicht, aber ich liebe das Produzieren. Bei der TV-Produktion sitzen zehn Männer im Writer’s Room und wenn du Glück hast, kommt noch eine Frau dazu. Das Verhältnis ist total schief.

Welche Art von Projekten möchtest du produzieren?

Mila: Als mein Mann [Schauspieler Ashton Kutcher] und ich unsere Familie gründeten, verglich er mich mit unseren Hunden. Er meinte: „Wenn unsere Hunde länger nicht Gassi gehen, kriegen sie einen Koller. Und wenn du nicht arbeitest, kriegst DU einen Koller.“

Ein Beitrag geteilt von Ashton Kutcher & Mila Kunis (@ashtonmila) am <time style=" font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px;" datetime="2016-07-27T03:06:24+00:00">26. Jul 2016 um 20:06 Uhr</time>

Ich arbeite einfach wahnsinnig gern, es befriedigt mich. Als ich mein erstes Kind bekam, war mir klar, dass ich nie mehr so arbeiten würde wie in meinen Zwanzigern, als ich noch ständig unterwegs war, in anderen Ländern arbeitete. Mit dem Fernsehen kenne ich mich aus, ich bin praktisch damit aufgewachsen. Also beschloss ich, TV-Produzentin zu werden. Und jetzt bin ich es. Mein Motto dabei lautet: Umgib dich mit Leuten, die alles besser können als du selbst, und lerne von ihnen.

Wenn ein Skript schon so gut ist wie das von BAD MOMS, kannst du dann aufhören, wie eine Produzentin zu denken?

Mila: Dieser Film hatte mit Suzanne Todd eine so großartige Produzentin, dass ich mich einfach zurücklehnen und lernen konnte. Ich habe kein Riesenego, ich glaube nicht, dass ich schon alles kann. Ich weiß genug, um zu wissen, wann ich mal still sein sollte.

 

Wenn man den BAD MOMS-Trailer sieht, könnte man denken, der Film handele nur von Müttern, die sich mal ordentlich volllaufen lassen. In Wirklichkeit geht es aber um sehr viel mehr, zum Beispiel um den gesellschaftlichen Druck, dem Mütter heutzutage ausgesetzt sind. Hattest du selbst das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein, als du die Rolle annahmst?

Mila: Klar gab es Schuldgefühle. Als Frau versuchst du immer, alles richtig zu machen – den Job, die Familie, die Kindererziehung. Dich selbst stellst du unweigerlich an die letzte Stelle. Am Ende merkst du, dass es so etwas wie die perfekte Balance gar nicht gibt. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke. Aber wahrscheinlich kannst du das später wieder ausgleichen. Es geht immer auf und ab. Ich hab eine Weile gebraucht, um das zu kapieren, und trotzdem musste ich jeden Tag gegen die Schuldgefühle ankämpfen. Und jetzt noch drei Tage Promotion zu machen, ist echt hart. Das muss es echt wert sein ...

  

Jetzt setzt du mich ganz schön unter Druck!

Mila: Gern geschehen.

 

Der Film erzählt überraschenderweise auch davon, wie Männer als Kinder von ihren Müttern geprägt werden. Wenn die Mütter sich immer um alles kümmern, führt das dazu, dass die Jungs auch als Erwachsene glauben, es werde schon alles gut werden.

Mila: Frauen wollen sich einfach um alles kümmern. Das liegt in ihren Genen. Das war schon so, als die Männer noch jagen gingen. Wir haben das einfach im Blut.

 

Warst du überrascht, als du bei der Drehbuchlektüre gemerkt hast, dass der Film so tiefgründig ist?

Mila: Nein, das fand ich ja gerade toll! Meine Figur hat schon mit 18 und 19 Jahren ihre beiden Kinder bekommen. Die sind jetzt 12 und 13 und so etwas wie „Pseudo-Baby-Teenager“. Das hat mich sehr angesprochen. Ich weiß nicht, ob ich das so sagen darf: Ich habe große Angst davor, dass meine eigenen Kids A-Löcher werden, wenn sie mal groß sind.

 

Du darfst gerne fluchen.

Mila: Nein, das mache ich nicht. Am Ende schauen noch meine Eltern zu. Ich möchte jedenfalls nicht die Person sein, die dafür verantwortlich ist, dass es noch mehr A-Löcher auf der Welt gibt. Meine Kinder sollen Mitgefühl entwickeln und gute Menschen werden. Es gefällt mir an meiner Figur, dass sie früh kapiert, welche Fehler sie gemacht hat und sich das rächen wird.

 

Als erfolgreiche Schauspielerin lebst du deinen Kindern ebenfalls eine ganz bestimmte Art Leben vor.

Mila: Das stimmt. Meine Kinder werden nie am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man kein frisches Obst hat oder keinen Strom. Oder wenn man kaputte Schuhe tragen muss. Ich habe als Kind diese Seite des Lebens kennengelernt und habe hart gearbeitet, um zu erreichen, was ich erreicht habe. Ich habe mir das verdient. Meine Kinder haben allen möglichen Luxus, den ich nicht hatte. Sie haben Pokemon Go und Smartphones und was weiß ich noch. Deshalb frage ich mich ständig, ob sie zu Menschen mit übertriebenem Anspruchsdenken heranwachsen.

 

Am Ende wirst du zu der Art Mutter, die ihren Kids ständig sagt: „Als ich noch ein Kind war, hatte ich nur ...“

Mila: Wahrscheinlich muss ich sie anlügen. Das wird vermutlich meine Taktik sein. So lange sie noch nicht selbst im Netz recherchieren können, werde ich ihnen sagen: „Mami und Daddy sind arm.“ Das habe ich als Kind zu hören bekommen, aber damals stimmte es. Ich hab schon sehr früh gelernt, die Wörter „Ich will“ aus meinem Vokabular zu streichen.

Du sagtest eingangs, dass BAD MOMS ursprünglich andere Schauspieler hatte. Warst du die erste Neubesetzung?

Mila: Ja.

 

Der neue Cast ist sehr gut.

Mila: Alle sind großartig. Und viel witziger als ich es bin. Da ich schon so früh an Bord war, haben die Produzenten und die beiden Regisseure mich ins Casting miteinbezogen.

 

Wie lief das ab? Gab es Tests?

Mila: Nein, nein, sie lasen mir Namen vor. Als Kathryn Hahn genannt wurde, sagte ich: „Kathryn Hahn? Die wird nie mitspielen!“

 

Sie ist eine geniale Komikerin.

Mila: Richtig. Und als sie Interesse bekundete, konnte ich es kaum glauben.

 

Auch Christina Applegate ist toll. Ich glaube, wir haben sie noch nie in einer so verkniffenen Rolle gesehen.

Sie war unglaublich. Während unserer Szenen musste ich buchstäblich bei jedem ihrer Takes lachen. Sie ist eine der lustigsten Improvisationskünstlerinnen, mit denen ich je gearbeitet habe.

 

Improvisierst du selbst auch?

Mila: Ich tue so.

 

In Sitcoms und Animationsserien wie „Family Guy“ wird wahrscheinlich sehr wenig improvisiert.

Mila: Man hält sich streng ans Skript.

 

Und wann hast du zu improvisieren begonnen?

Mila: Das war in "Nie wieder Sex mit der Ex". Ich fragte: „Was, ich kann einfach drauflos reden? Ist ja großartig!“

  

Wie war es bei BAD MOMS?

Mila: Das Skript war schon sehr gut. Wir haben während der Proben noch dran gearbeitet, aber beim Dreh saß dann alles. Bei Kathryn war es etwas anders. Wenn man sie erst mal loslässt, macht sie ihr Ding.

(Spoiler-Alarm): Die Szene mit dem unbeschnittenen Penis ist zum Schreien. Wie war der Dreh?

Mila: (grüßt in die Kamera) Hallo Mama!

 

Solange du nicht „Arschloch“ sagst, ist alles ok.

Mila: Jetzt hast du es gesagt! Die Szene war ursprünglich ziemlich konventionell: Drei Frauen machen sich ausgehfertig und reden über ihre Klamotten. Ich sprach darüber mit Jon Lucas und Scott Moore und sagte ihnen: So läuft das aber nicht. Wenn ich nach einer zehnjährigen Beziehung zum ersten Mal Sex mit einem anderen Mann habe, denke ich nicht an mein Kleid, sondern daran, wie wohl sein Penis sein wird. Diesen Gedanken haben sie aufgenommen und daraus diese fantastische Szene entwickelt, in der die arme Kristen Bell zum Penis wird.

 

Auch sie ist ganz großartig.

Mila: Sie ist einer der witzigsten Menschen, den ich kenne. Und im Gegensatz zu mir verzieht sie keine Miene, wenn sie einen Witz macht.

 

Ok, jetzt ist Zeit für ein paar Fragen aus dem Publikum... Mila, hat dich der Gedanke nervös gemacht, dass deine Kinder eines Tages den Film sehen werden?

Mila: Oh nein, ich hab schon viel Schlimmeres verbrochen. Ich bin sehr stolz auf den Film, und meine Tochter wird ihn erst in vielen Jahren zu sehen bekommen. Bis dahin wird er in Sachen Schlüpfrigkeit wahrscheinlich schon total veraltet sein.

 

Bereitest du dich auf komische Rollen anders vor als auf dramatische wie in "Black Swan"?

Mila: Da gibt es eigentlich keinen Unterschied. Der einzige besteht vermutlich darin, dass du im Vorfeld von Filmen wie "Black Swan" oder "Jupiter Ascending" körperlich trainieren musst. Wenn du neun Monate lang an Drahtseilen hängst, brauchst du einfach eine bessere Kondition.

Hat "Jupiter Ascending" tatsächlich neun Monate gedauert?

Mila: Es waren etwa sieben bis acht Monate. Und an jedem Tag gab es Stunts.

 

Manche Schauspieler wollen Actionstars werden, andere haben nach einem Film dieser Art genug. In welche Kategorie fällst du?

Mila: Ich hab jetzt viel mehr Respekt vor Jason Statham. Ich hatte mit Channing Tatum einen großartigen Partner. Er kann einfach alles. Es ist geradezu ekelhaft. Und er ist auch noch nett. Pfui. Die meiste Zeit hingen wir beide an Drahtseilen, das war alles.

 

In BAD MOMS hängt Mila Kunis nicht durch, sondern bringt ihr komisches Talent zum vollen Einsatz. Überzeug dich selbst - BAD MOMS läuft aktuell auch in einem Kino in deiner Nähe...

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